Kasachstan / Kirgistan | Reisebericht-Tipps- Informationen:
Tienshan-Gebirge - Trans Alatau - Kungej-Alatau

Auszüge aus dem Reisetagebuch

Wir machten eine grobe Planung für die nächsten Tage. Zunächst wollten wir die vielen Höhenmeter bis zum Großen Alma-Atinsker See nicht entlang der Schotterstraße gehen, sondern am Besten gar nicht gehen. Im Dorf Kokshoky bot man uns zu einem vernünftigen Preis an, mit dem Taxi hinauf gefahren zu werden. Im Lada aus Russland fuhren wir zu Sechst, dazu ein Fahrer und dazu sechs Rucksäcke mit einem Gewicht von jeweils gut 20 bis knapp 30 kg. Die Rucksäcke waren im Kofferraum gestapelt, die Klappe wurde mit einer Schnur befestigt und von meinem Platz auf dem Schoß des auf dem Beifahrersitz sitzenden Ecki konnte ich im Spiegel sehen, ob sich an der Kofferraumkonstruktion etwas verändert hatte. Immer wenn es für das Auto ganz offensichtlich zu anstrengend wurde und wir signalisierten, dass wir aussteigen könnten, da es auch gut sei, wenn nur unsere Rucksäcke gefahren würden, war der Fahrer gar nicht mit unserem Vorhaben einverstanden

Relativ früh standen wir auf, um den Fluss Talgar noch zeitig überqueren, bzw. durchwaten zu können und dennoch war dies ein recht schwieriges Unterfangen. Nach einigen Versuchen, die beste Stelle zu finden, befanden wir uns alle am anderen Ufer, zogen die Sandalen aus, trockneten unsere Füße ab und zogen die Wanderstiefel wieder an. Der Tag war nur kurz, da wir nicht weiter gehen wollten, als bis zum angeblich schönsten See des Tienshan-Gebirges, dem Dshassil-Kel auf 3116 m.

In der Nacht musste ich einfach aufstehen und was ich sah, sucht in meiner Erinnerung seinesgleichen. Unser Lagerplatz befand sich auf knapp 3700 m am Fuße des Östlichen Bosteri-Passes mit 4100 m. Am Rande des Gletschers auf einer ebenen Geröllhalde hatten wir die Zelte aufgebaut. Heringe gingen hier natürlich nicht in den Boden. Mit vielen der herumliegenden Steinen wurden die Seile befestigt. Da es windstill war, hatten wir Bezüglich der Stabilität des Zeltes kein Problem. Die Kälte war schon eher ein solches. Ich hatte wirklich alles an, was ich mit hatte und das war einiges. So verbrachte ich eine einigermaßen erträgliche Nacht, die schließlich durch das besonders Erlebnis am Himmel unvergesslich wurde. Es war die Vollmondnacht im August, keine Wolke war zu sehen, sodass der Gletscher hell erleuchtet war und im Süden leuchtete der Mars in seinem kräftigen Rot. Noch viele Wochen später war Nacht für Nacht dieser Planet zu sehen, jedoch für mich nie wieder in einer so ungewöhnlichen und unwirtlichen Umgebung.

Allgemeine Informationen:

Charakter: sehr anstrengende Wanderung mit einem sehr schweren Rucksack in Höhen zwischen 2500 und 4100 m, Route teilweise vergletschert, die Flüsse sind ohne Brücken zu passieren; die großartige und extrem unberührte Landschaft macht die Anstrengung wieder wett

Wanderroute mit sechs Übernachtungen: Ausgangspunkt Kokshoky - Großer Alma-Atinsker-See - Ossernij-Pass (stellt die Grenze zwischen Kasachstan und Kirgistan dar) - Tschonn-Kemin-Tal - Dshassil-Kel - Östlicher Ak-Su-Gletscher - Alm oberhalb des Issyk-Kul - Endpunkt Bosteri am Issyk-Kul

Unterkunft im Zelt mit allem, was man zum Leben braucht.
In Bosteri am Issyk-Kul (und vielen anderen Orten am See) gibt es viele private Unterkünfte, die sehr einfach sind, jedoch alle Wünsche erfüllen, wenn man gerade aus den Bergen kommt. In einer Teestube an der zentralen Kreuzung in Bosteri haben sich mehrere Frauen darum bemüht, ihre Gästezimmer an uns zu vermieten.

ÖPNV: Der Ort Kokshoky liegt nur etwa 20 km südlich von Almaty (früher Alma-Ata), der ehemaligen Hauptstadt und immer noch größten Stadt Kasachstans. Bis hierher fahren Busse oder Taxis. Bosteri am Issyk-Kul ist hervorragend mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Regelmäßig fahren Busse in die anderen Orte am See oder in die kirgisische Haupstadt Bishkek. 
Von Bishkek fuhren wir weiter mit dem Nachtbus nach Tashkent/Usbekistan. Die Fahrt ging fast die komplette Strecke durch Kasachstan. So verwinkelt liegen die Grenzen hier.

Besonderheiten: Die Ein- und Ausreise nach Kasachstan ist eher kompliziert, was schon bei der Visabeschaffung (incl. Einladung) beginnt. Da es offiziell nicht erlaubt ist, über den nördlichen Hauptkamm des Tienshan-Gebirges ohne Passkontrolle nach Kirgistan auszureisen, bringt dieser fehlende Stempel bei jeder erneuten Berührung mit der kasachischen Bürokratie mittlere bis schwerwiegende Probleme mit sich. In Kirgistan dagegen scheinen Touristen von offizieller Seite durchaus erwünscht zu sein. Zumindest sind die Ein- und Ausreiseformalitäten um ein Vielfaches einfacher.
Ohne Russisch-Kenntnisse ist eine Reise nach Kasachstan und Kirgistan ein sehr mutiges Unterfangen. Englisch wird im Grunde nicht gesprochen. Auch die schriftlichen Zollformalitäten finden ausnahmslos in kyrillischer Schrift und russischer Sprache statt. 
Ein Einkauf auf einem Markt in Almaty mit einer Fülle an leckersten Speisen, insbesondere eingelegtem Gemüse, ist sehr empfehlenswert.

Adressen:
www.espadura.com - Seite über verschiedene Wanderungen durch das Tienshan-Gebirge von Eckhart Kornejew. Sie beinhaltet auch einen von mir verfassten ausführlichen Reisebericht über Zentralasien.
www.andrea2000.de - spannender Bericht über eine Reise von Dresden nach
Hongkong mit Zug, Bus, Pferd und zu Fuß

Reise- und Wanderführer - Landkarten:
Trans-Alatau - Von Alma-Ata zum Issyk-Kul - Outdoor Handbuch Conrad Stein Verlag
Central Asia - Lonely Planet
Kasachstan entdecken - Trescher Verlag
Kirgistan entdecken - Trescher Verlag
GUS 1:3 500 000 - Hildebrand's

Ergänzende Literatur:
Ion Karagounis: Mit dem Zug durch Zentralasien und China – edition fischer
Tschingis Aitmatov: Dshamilja
T. Aitmatov: Du meine Pappel im roten Kopftuch
T. Aitmatov: Goldspur der Garben
T. Aitmatov: Aug in Auge
T. Aitmatov: Der Junge und das Meer
T. Aitmatov: Frühe Kraniche
T. Aitmatov: Kindheit in Kirgisien
T. Aitmatov: Der erste Lehrer


Stand: September 2003


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